Hausbau: Was ist eine vorgehängte hinterlüftete Fassade?

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Die Fassade eines Gebäudes ist vergleichbar mit der menschlichen Haut. Sie trennt das Innere vom Äußeren und ist verantwortlich für den Energiehaushalt und die klimatischen Bedingungen. Bei der Wahl der passenden Fassade sollten Sie sich also Zeit nehmen. Eine Möglichkeit: die vorgehängte hinterlüftete Fassade.

Sie ist wegen ihrer schützenden Eigenschaften vor Wärme, Regen, Feuchtigkeit, Brand und Lärm eine beliebte und oft genutzte Fassadenart. Noch dazu erlaubt sie unterschiedlichste Außenbekleidungen. Doch ist sie wirtschaftlich und lässt sich eine hinterlüftete Fassade zum Beispiel auch mit Schiefer decken? 

Die vorgehängte hinterlüftete Fassade: Der Aufbau

Was zeichnet eine vorgehängte hinterlüftetet Fassade aus? Worin unterscheidet sie sich von anderen Fassadenarten? Das Hauptmerkmal dieses Fassadensystems ist die bauliche Trennung des Wärme- und Witterungsschutzes. Nach DIN 18516-1 setzt sich die Konstruktion immer aus vier Teilen zusammen: 

  • Fassadenbekleidung
  • Hinterlüftungsspalt
  • Dämmung 
  • Unterkonstruktion

Die Dämmung ist grundsätzlich durch den Hinterlüftungsspalt von der Bekleidung getrennt. Die dadurch entstehende Belüftung reguliert den Feuchtigkeitshaushalt am Gebäude. Wird die Außenwand des Hauses durch Regen und Schnee durchnässt, ist sie in kürzester Zeit wieder trocken. Dies wirkt sich auch positiv auf das Innenraumklima aus. 

 

Außenbekleidung: Welche Materialien kommen in Frage?

Einer der größten Vorteile der hinterlüfteten Fassade ist, dass es bei der Gestaltung der Fassadenbekleidung keine Grenzen gibt. Ein Grund, weshalb das vielseitige Fassadensystem bei unterschiedlichen Gebäudetypen zum Einsatz kommt – vom Ein- und Mehrfamilienhaus bis zum Industriegebäude. Ob Sie sich für eine Außenbekleidung mit Keramik, Naturstein, Aluminium, Holz, HPL-Platten oder Faserzement interessieren, alles ist realisierbar. In den letzten Jahren entstanden deshalb immer wieder neue, aufregende und verblüffende Gestaltungsentwürfe für hinterlüftete Fassaden – sowohl im Bereich der Neubauten als auch bei Sanierungsvorhaben. 

Auch Schieferfassaden lassen sich mit dem vielseitigen Fassadendämmsystem kombinieren. Schieferfassaden punkten mit ihrer Langlebigkeit, Robustheit sowie Feuerbeständigkeit und bieten einen wirksamen Witterungsschutz. Als hinterlüftete Schieferfassade ergänzen sie die positiven Eigenschaften noch mit einer ausgezeichneten Wärmedämmung. Damit auch die Optik stimmt, haben Sie die Wahl zwischen klassischen Deckarten wie zum Beispiel Altdeutscher Deckung, Schuppen- oder Bogenschnitt oder einer der vielen neu entstandenen Deckungen mit moderner Optik. 

 

Dämmung: Welche Dämmstoffe sind geeignet?

Bei der Wahl eines geeigneten Dämmstoffes für eine vorgehängte hinterlüftete Fassade entscheiden sich viele Bauherren für Mineralfasern in Form von Glas- oder Steinwolldämmplatten. Eine Alternative dazu sind Hartschaumplatten aus Polyurethan oder Polystrol. Möchten Sie ökologisch bauen, greifen Sie zu Naturdämmstoffen wie Holzfaserplatten, Hanfmatten oder Jutedämmplatten. 

Die Dämmstoffe werden bei hinterlüfteten Fassaden meist ohne Verklebung in einer Stützkonstruktion verankert. Welche Stärke die Dämmung dabei hat, ist abhängig vom Dämmmaterial und dem gewünschten Energiestandard. Da vorgehängte hinterlüftete Fassaden eine lange Lebensdauer aufweisen, empfiehlt sich eine zukunftsfähige Dämmstärke von mindestens 16 Zentimetern. 

 

Unterkonstruktion: Bindeglied zwischen Außenwand und Fassadenbekleidung


Die Unterkonstruktion hinterlüfteter Fassaden besteht heute meist aus Aluminium, feuerverzinktem oder nicht rostendem Stahl oder Holz und Holz-Metall-Kombinationen. Die Elemente der Unterkonstruktion sind über Wandhalterungen an der Außenwand sowie über Tragprofile mit der Fassadenbekleidung verbunden. Beim Aufbau wird entsprechend immer mit den Wandhalterungen an der Außenwand begonnen. Es folgt die Verlegung des Dämmmaterials, das praktisch auf den Wandhalterungen aufgespießt wird. Die Wandhalterungen ragen ein gutes Stück über die Dämmplatten heraus und definieren damit die Tiefe des anschließenden Hinterlüftungsspaltes. 


Wirtschaftlichkeit: Hohe Anschaffungskosten, aber lange Lebensdauer


Im Vergleich zu anderen Fassadensystemen verlangt eine vorgehängte hinterlüftete Fassade deutlich höhere Erstinvestitionen. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Es gilt, die Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus zu betrachten. Hier schneiden hinterlüftete Fassaden mit ihrer langen Lebensdauer von meist über 50 Jahren und der geringen Wartungsanfälligkeit sehr gut ab. Das mehrschichtige Fassadensystem schützt außerdem nachhaltig die Bausubstanz vor unterschiedlichen Umwelteinflüssen und Feuchtigkeitsschäden. Sie sparen bei den Kosten für Wartung und Instandhaltung. Sollte dennoch mal ein Schaden an der Fassade entstehen, können Sie die Elemente der hinterlüfteten Fassade einzeln austauschen. 

Ein weiterer Vorteil vorgehängter hinterlüftiger Fassaden ist ihre gute Planbarkeit. Entstehende Baukosten können im Vorfeld relativ sicher und exakt ermittelt werden. Dabei ist die Montage komplett witterungsunabhängig – ein Pluspunkt vor allem bei knappen Zeitplänen.


Setzen Sie bei der Planung Ihrer hinterlüfteten Fassade auf energieeffiziente Dämmmaterialien und innovative Unterkonstruktionen, erreichen Sie außerdem sehr niedrige U-Werte und sparen beim Energieverbrauch. 


Hinterlüftete Fassade: Gibt es auch Nachteile?


Von einem der größtem Nachteile der vorgehängten hinterlüftteten Fassade wissen Sie bereits: der relativ hohe Preis. Wenn Sie noch einen kompletten Hausbau vor sich haben, werden Sie sicher überlegen, ob Sie für eine Fassade um die hundert Euro pro Quadratmeter ausgeben möchten. Wer die hohe Einmalinvestition nicht scheut, wird aber auf Dauer Kosten einsparen. 


Ein weiterer, oft diskutierter Nachteil bezieht sich auf das Verhalten des Fassadensystems bei einem Brandfall. Bei hinterlüfteten Fassaden kann es durch den vorhandenen Belüftungsraum zu einem sogenannten Kamineffekt kommen. Er bewirkt in kurzer Zeit eine starke Hitzeentwicklung. Speziell für diese Fassadenart entwickelte Brandsperren können jedoch eine Feuerausbreitung wirkungsvoll verhindern.

Ein weniger bekannter Nachteil von Fassadensystemen mit Belüftungsraum ist ihre Beliebtheit bei Insekten aller Art. Diese beziehen gerne den Hohlraum zwischen Außenbekleidung und Dämmmaterial, vor allem, wenn die Unterkonstruktion aus Holz ist. Hier lässt sich wirksam vorbeugen, in dem Sie Zu- und Ablüftungen der Fassade mit Insektenschutzgittern schützen. Empfohlen ist dabei eine Maschenweite von mindestens drei Millimetern und maximal fünf Millimetern.


Fazit: Energieeffizientes Fassadensystem für viel kreativen Freiraum


Fassen wir zusammen: Wer beim Hausbau einen gewissen Kostenspielraum hat, Wert auf Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Gestaltungsfreiheit legt, trifft mit einer vorgehängten hinterlüftete Fassade eine gute Wahl. Ob Schieferfassade, Naturstein oder Aluminium – in Sachen Optik können Sie sich bei diesem Fassadensystem austoben und im Zweifel auch noch einmal anders entscheiden. Was die Wirtschaftlichkeit betrifft, so scheinen die hohen Einmalkosten nur auf den ersten Blick ein Nachteil zu sein. Über den gesamten Lebenszyklus gerechnet, rechtfertigen die lange Lebensdauer und die geringen Kosten für Wartung und Instandhaltung die Entscheidung für das vergleichsweise kostenintensive Fassadensystem. 

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© Foto: Rathscheck Schiefer