Dachversiegelung: Was ist das?

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Das Dach ist als fünfte Fassade zahlreichen Belastungen ausgesetzt. Es muss Wind sowie Wetter trotzen und das Innere des Hauses zuverlässig vor Feuchtigkeit schützen. Insbesondere die Eindeckung wird dabei durch Regen, Wind und Grünwuchs angegriffen.

Um die Lebensdauer des Daches zu verlängern, kann eine Dachversiegelung sinnvoll sein. Dies wird von Fachleuten jedoch kontrovers diskutiert. Wir möchten Ihnen den Ablauf der Dachversiegelung, ihr Für und Wider sowie die damit verbundenen Kosten aufzeigen.

Voraussetzungen für eine Dachversiegelung

Bevor eine Dachversiegelung in Betracht gezogen werden kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Sowohl das Material als auch der generelle Zustand des Daches müssen für eine dementsprechende Behandlung geeignet sein. Grundsätzlich kommt eine Dachversiegelung nur bei folgenden Deckungsmaterialien in Betracht:

  • Dachpfannen aus Ziegel
  • Dachpfannen aus Beton
  • Dachplatten aus Faserzement


Für eine Dachversiegelung kommen insbesondere asbesthaltige Eindeckungen nicht in Frage. Diese dürfen aufgrund ihrer Schadstoffbelastung nicht gereinigt und nur von lizensierten Betrieben behandelt werden.

Zudem sollte das Dach bereits mindestens zehn Jahre alt sein. Neue Dachpfannen werden bereits in ihrer Produktion mit einer Schutzschicht versehen. Ein neugedecktes Dach ist daher quasi ab Werk versiegelt. Diese Schutzschicht löst sich im Laufe der Jahre ab. Wenn Sie erste Sandablagerungen in der Regenrinne finden, könnte dies als Anhaltspunkt für eine Dachversiegelung sprechen.

Des Weiteren darf das Dach nicht zu alt sein. Wenn die Dachziegel bereits zu porös und marode sind, werden sie durch vorgenommene Arbeiten weiter belastet. Ihre Substanz kann dadurch nicht erhalten werden, sondern wird nur weiter abgetragen. Anzeichen dafür sind 

  • großflächiger Bewuchs durch Moose und Flechten auf der Innen- und Außenseite der Ziegel
  • Moose und Flechten sind bereits bis auf den Dachstuhl vorgedrungen
  • Schimmelpilze am Dachstuhl
  • lose, abgeplatzte und beschädigte Ziegel in größerer Zahl
  • größere Mengen an Sand in der Regenrinne, die auf viel abgetragenes Material und damit fortgeschrittene Porosität der Dachpfannen hinweisen

Ablauf einer Dachversiegelung

Die Dachversiegelung wird grundsätzlich in vier Schritten durchgeführt. Diese sollten unbedingt von einem Fachmann vorgenommen werden. Da es sich um ein nicht-lizensiertes Verfahren handelt, werden mangelhafte Dachversiegelungen häufig als günstiges Haustürgeschäft angeboten. Hiervon sollten Sie unbedingt Abstand nehmen. Lassen Sie sich von einem vertrauenswürdigen Betrieb ein Gesamtangebot machen, das diese vier wesentlichen Punkte beinhaltet:

  1. Überprüfung der gesamten Substanz: Ein Fachmann sollte sich Ihr Dach zunächst genauer anschauen, um die entsprechenden Voraussetzungen für eine Dachversiegelung zu überprüfen. Erst im Anschluss kann er beurteilen, ob eine Dachversiegelung gemäß dem Zustand Ihres Daches sinnvoll ist.
  2. Reinigung des Daches: Zunächst muss das Dach von Verschmutzungen und Bewuchs befreit werden. Dies wird zumeist mit einer Kaltwasserfräse oder Hochdruck-Heißwasser durchgeführt.
  3. Trocknen des Daches: Nach der Dachreinigung muss das Dach zunächst vollständig trocknen. Je nach Witterung muss hierfür ein zusätzlicher Tag eingeplant werden.
  4. Versiegeln des Daches: Nachdem das Dach getrocknet ist, wird die Dachversiegelung aufgetragen. Hier sollten Sie auf eine hochwertige Versiegelung achten. Eine ansprechende Optik spricht dabei nicht automatisch für Qualität. Zur Versiegelung sollten ausschließlich Reinacrylat-Produkte und keinesfalls minderwertiges Styrolacrylate verwendet werden.
     

Vorteile einer Dachversiegelung 

Die Vorteile einer Dachversiegelung begründen sich insbesondere in der erweiterten Pflege des Daches, die zur Lebensverlängerung beitragen kann. Dazu zählen

  • Entfernung von Moosen und Flechten, bevor diese in die Dachpfannen hineinwachsen und sie bei Frost sprengen könnten
  • Versiegelung der Dachpfannen, sodass deren Substanz erhalten bleibt
  • optische Aufwertung des Hauses
  • günstige Alternative zur teils kostspieligen Neueindeckung
     

Risiken einer Dachversiegelung

Wie oben bereits beschrieben, kommt die Dachversiegelung nur unter bestimmten Voraussetzungen als sinnvolles Mittel in Betracht. Gegner führen daher den großen Aufwand zum verhältnismäßig kleinen Nutzen als Kritikpunkt an. Grundsätzliche Risiken der Dachversiegelung sind dabei nicht von der Hand zu weisen, dazu zählen:

  • große Schäden bei mangelhafter Ausführung: Insbesondere bei der Dachreinigung können mangelhafte Arbeiten das Dach nachhaltig beschädigen. Wird das Wasser unter die Dachpfannen geleitet, kann die Feuchtigkeit bis in den Dachstuhl vordringen und einen Nährboden für Schimmel und Pilze bieten. Zudem können Ziegel durch zu hohen Druck weiter beschädigt werden. Eine mangelhafte Dachbeschichtung kann außerdem die Atmungsaktivität der Eindeckung einschränken. Eingedrungene Feuchtigkeit kann nicht mehr nach außen gelangen und durchfeuchtet möglicherweise den gesamten Dachstuhl. Generell sind Arbeiten am Dach für dieses auch immer eine hohe Belastung und eventuelle Beschädigungen können nicht vollständig ausgeschlossen werden.
  • Reinigung und Dachversiegelung nur oberflächlich: Da die Dachpfannen wie Schuppen aufeinanderliegen, können die Überlappungen der Pfannen nicht gereinigt werden. Schmutz sowie Bewuchs bleiben daher weiter in den Zwischenräumen und können Feuchtigkeit speichern und eventuell in den Dachstuhl transferieren.
  • Viele Dächer kommen noch nicht oder nicht mehr in Frage: Eine Dachversiegelung kommt nur bei wenigen Dächern als sinnvolle Maßnahme in Frage. Da sie nicht lizensiert ist, werden viele Hausbesitzer mit überteuerten und unnötigen Dachversiegelungen abgezockt.

Kosten der Dachversiegelung

Die Kosten für eine hochwertige Dachversiegelung inklusive vorheriger Reinigung und Sichtprüfung durch einen Fachmann belaufen sich auf 15 bis 18 Euro pro Quadratmeter Dachfläche, exklusive der Mehrwertsteuer. Damit betragen sie nur ein Drittel derer einer Neueindeckung. Wesentlich günstigere oder teurere Angebote sprechen meist für ein unseriöses Geschäft. Hinzu kommen können außerdem Kosten für

  • Anfahrt
  • Abkleben von zu schützenden Bereichen
  • Reinigung der Dachrinne
  • kleinere Ausbesserungen wie das Auswechseln defekter Dachziegel
  • Handbeschichtung schwer erreichbarer Stellen

Die Handwerksleistungen können Sie jedoch im Rahmen Ihrer Steuererklärung als haushaltsnahe Dienstleistung geltend machen. Hierbei müssen jedoch die reinen Handwerkskosten getrennt von den Materialkosten angegeben werden.
 

Fazit: Ist die Dachversiegelung sinnvoll?

Eine Dachversiegelung stellt unter den oben genannten Voraussetzungen eine akzeptable Alternative zur Neueindeckung dar. Sie sollte jedoch unbedingt von einem vertrauenswürdigen Betrieb durchgeführt werden. Aufgrund der hohen Belastung des Daches sind zudem größtmögliche Zeitabstände zwischen Dachversiegelungen zu wahren. Zu beachten ist außerdem, dass die Dachversiegelung die Lebensdauer zwar verlängert, über kurz oder lang aber dennoch eine Neueindeckung erforderlich wird.

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© Bild: Rathscheck Schiefer