Dachstuhl erneuern – Wann, warum und wie Sie die Instandhaltung in Angriff nehmen sollten

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Der Dachstuhl bildet das Fundament jedes stabilen Daches und ist dabei maßgeblich für die gesamte Statik verantwortlich. Dementsprechend gehört das fachgerechte Errichten eines Dachstuhls zu den aufwendigsten und essenziellsten Arbeiten beim Hausbau. Dennoch ist es mit der einmaligen Errichtung manchmal nicht getan.

Unter Umständen muss nach einiger Zeit der Dachstuhl erneuert werden, um die Stabilität des Daches weiterhin zu gewährleisten. Wann das der Fall ist, welche Vorgehensweisen sich dafür anbieten und mit welchen Kosten zu rechnen ist, erfahren Sie hier.


Wann sollten Sie darüber nachdenken, den Dachstuhl zu erneuern?

Grundsätzlich handelt es sich beim professionell erbauten Dachstuhl um eine sehr stabile Konstruktion, der so schnell nichts anhaben kann. Zahlreiche Gebäude kommen daher viele Jahrzehnte ohne das Erneuern des Dachstuhls aus.

Allerdings ist die Langlebigkeit von Holz, das in den allermeisten Fällen die Basis für den Dachstuhl bildet, begrenzt. Gerade die Witterung macht dem Naturstoff zu schaffen. Starke Hitze oder Kälte, große Schneemengen oder häufiger Starkregen gehen dem Gebälk auf Dauer an die Substanz. Ein besonderer Risikofaktor sind dabei undichte Stellen in der Dacheindeckung oder -dämmung, die nicht schnell genug erkannt oder behoben werden. Durch diese gelangt Feuchtigkeit in das Dachgerüst, die Schimmelbildung fördert. Spätestens in einem solchen Fall sollten Sie über die Dachstuhl-Erneuerung nachdenken, da von Schimmel befallenes Holz nicht die nötige Stabilität gewährleisten kann.

Welche Methoden stehen zur Wahl, um den Dachstuhl zu erneuern?

Grundsätzlich kann hier zwischen zwei Arten der Dachstuhlerneuerung unterschieden werden:

  1. Erneuerung von Teilen der Konstruktion: Gerade bei Sanierungsbedarf aufgrund von undichten Stellen im Dach kommt es häufig vor, dass der Dachstuhl nur punktuell angegriffen ist. In diesem Fall muss auch nicht die gesamte Konstruktion ausgetauscht werden. Stattdessen reicht es häufig aus, lediglich einzelne Dachbalken auszutauschen, was für Sie als Hausbesitzer natürlich deutlich unproblematischer und kostengünstiger ist. Lassen Sie dennoch vorsichtshalber einen Gutachter die Gesamtsituation des Dachstuhls beurteilen. Das kann auch deshalb wichtig sein, da verschiedene bauliche Veränderungen am Dach genehmigungspflichtig sind.
  1. Komplettsanierung des Dachstuhls: In einigen Fällen sind aber tatsächlich so große Teile des Dachstuhls morsch oder anderweitig angegriffen, dass Sie um einen kompletten Austausch nicht herumkommen. In diesem Fall wird ein Zimmermann die neue Konstruktion in der Schreinerei anfertigen und im Anschluss auf dem Haus anbringen. Hierbei kann der bestehende Dachstuhl eins zu eins rekonstruiert werden, es sind aber auch andere Szenarien denkbar. Beispielswiese könnten Sie die Gelegenheit nutzen, um den Dachboden auszubauen und so mehr Wohnraum zu schaffen. Für diese Option muss der neue Dachstuhl allerdings an die veränderte Statik angepasst und entsprechend anders konstruiert werden.

Welche Faktoren beeinflussen die Kosten beim Erneuern des Dachstuhls?

Je nach Umwelt- und Baubedingungen können die Kosten für die Dachstuhlinstandsetzung deutlich variieren. Dabei wirken sich besonders diese Punkte aus:

  • Alleine der Abriss des bestehenden Dachstuhls verursacht Kosten im vierstelligen Bereich. Falls in unmittelbarer Nähe weitere Gebäude stehen, müssen diese gesichert werden, was zusätzliche Kosten verursacht.
  • Grundsätzlich berechnen sich die Kosten pro Quadratmeter. Je größer also das Dach, desto teurer wird der neue Dachstuhl. Als Orientierungspunkt können Sie von 60 Euro pro Quadratmeter ausgehen.
  • Jede Form von Sonderkonstruktion schraubt den Preis nach oben. Ein Beispiel dafür wäre eine Dachgaube oder ein besonderer Dachausbau.
  • Bedenken Sie auch, dass die Neueindeckung und Wärmedämmung zwingende Folgemaßnahmen der Dachstuhlerneuerung sind, die Zusatzkosten verursachen.
  • Gerade in Regionen, in denen Unwettergefahr herrscht, muss die Dachkonstruktion besonders stabil sein und zusätzlich gestützt werden. Gleiches gilt für Häuser in Meeresnähe, da hier der hohe Salzgehalt in der Luft der Dachdeckung zu schaffen macht.

So viel Budget sollten Sie für die gesamte Maßnahme einplanen

Im Folgenden haben wir eine Beispielrechnung für ein 120 Quadratmeter großes Dach aufgestellt, die Ihnen einen Überblick der insgesamt anfallenden Dachstuhl-Kosten geben soll. Hierbei handelt es sich nicht um einen verbindlichen Kostenvoranschlag, sondern lediglich um ein Projektbeispiel, das Ihnen helfen soll, die ungefähre Kostendimension abschätzen zu können.

Zu beachten ist allerdings, dass sich die Dachstuhl-Kosten natürlich regional unterscheiden – je nach Bundesland, Region und Infrastruktur können hier unterschiedliche Preise veranschlagt werden.

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Hinweis: Geld sparen durch Eigenleistung?

Grundsätzlich können Sie auch beim Erneuern des Dachstuhls bis zu 40 Prozent der Kosten einsparen, indem Sie selbst mitanpacken. Allerdings gibt es hier einiges zu beachten. So müssen Sie in jedem Fall einen Statiker hinzuziehen, der die Stabilität des neuen Dachstuhls überwacht. Aber selbst dann sollten Sie sich das Projekt in Eigenregie nur zutrauen, wenn Sie einschlägige Kenntnisse im Bereich der Dachdeckung haben oder selbst Zimmermann sind.


 

Welche Möglichkeiten zur finanziellen Förderung gibt es?

Das reine Dachstuhl-Erneuern wird im Normalfall nicht gefördert. Da Sie im Nachgang aber gezwungenermaßen auch Dämmung und Dacheindeckung erneuern müssen, können Sie das Projekt als Ganzes dennoch fördern lassen.

Hier bietet sich neben verschiedenen Förderprogrammen zu energieeffizientem Bauen der Länder und Kommunen vor allem eine Beantragung der Zuschüsse der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) an. Für Einzelmaßnahmen wie die Dachsanierung erhalten Sie hier bis zu 5.000 Euro pro Wohneinheit, falls Sie sich an den Grenzwerten der Energieeffizienz-Verordnung orientieren. Zusätzlich können Sie einen Kredit von bis zu 50.000 Euro zu günstigen Konditionen beantragen. 

Sollten Sie die Gelegenheit nutzen und zusätzlich Solarkollektoren auf dem Dach anbringen, kommt eine Förderung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) infrage. Im Zuge des Anreizprogramms können Sie mit Zuschüssen für Solarthermieanlagen von bis zu 20.000 Euro rechnen.

 

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