Asbestose: Welche Symptome deuten auf die Krankheit hin?

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Bei Asbest handelt es sich um eine Gruppe natürlich vorkommender, faserartiger Minerale. Früher wurden diese Substanzen aufgrund ihrer positiven Eigenschaften für die Dach- sowie Fassadenbekleidung, Abwasser- und Lüftungsrohre, Fußbodenplatten und viele weitere Produkte verwendet. Das Material zeichnet sich vor allem durch seine chemische Stabilität, seine Hitzebeständigkeit sowie seine Nichtbrennbarkeit aus.

Doch im letzten Jahrhundert wurde der gefährliche Einfluss von Asbest auf den menschlichen Körper entdeckt. Asbestose, Lungenkrebs sowie Brust- und Bauchfellkrebs sind mögliche Folgen beim Kontakt mit Asbest. Wir erklären, was Asbestose ist und welche Symptome auf Asbest im Körper hindeuten.

Was ist Asbestose?

Bei der Asbestose handelt es sich um eine Staublungenkrankheit und die häufigste Erkrankung beim Umgang mit Asbest. Diese entsteht durch die eingeatmeten Asbestfasern, die sich in der Lunge festsetzen. Da der menschliche Körper nicht in der Lage ist, die Fasern auszuscheiden oder abzubauen, verweilen diese im Körper.

Die Fasern reizen das Gewebe so sehr, dass sich dieses verhärtet – dieser Vorgang wird auch als Fibrose bezeichnet. Zur Folge hat die Verhärtung, dass sich die Lungenflügel vernarben, sodass das Atmen erschwert wird. Auch Entzündungen können als Folge dieser Reizungen auftreten.

Asbest im Körper: Welche Symptome zeigen sich?

Üblicherweise lässt sich Asbest durch Symptome wie

  • Atemnot,
  • Reizhusten,
  • zäher Auswurf,
  • krankhafte Atemgeräusche und
  • Gewichtsverlust erkennen.

Auch die Verdickung sowie bläuliche Verfärbung von Fingerenden und Lippen können auf Asbest im Körper hindeuten. Sollten diese Anzeichen auftreten, ist ein Besuch beim Arzt dringend anzuraten.

Problematisch ist jedoch, dass sich mögliche Symptome von Asbest im Körper meist erst viele Jahre nach dem Einatmen der Fasern zeigen. Bei den betroffenen Personen kann sich die Erkrankung demnach über mehrere Jahrzehnte entwickeln, ohne dass diese davon beeinträchtigt werden. Aufgrund dieser langen Inkubationszeit können die Asbest-Symptome häufig nur schwer der Staublungenerkrankung zugeordnet werden.

Um andere Krankheiten auszuschließen, gehen Ärzte oftmals wie folgt vor:

  • detaillierte Befragung, insbesondere zum Berufsleben
  • Röntgenbild oder Computertomographie
  • Lungenfunktionstest
  • Blutgasanalyse

Eine Lungenbiopsie sowie eine Entnahme aus der Flüssigkeitsansammlung im Lungenfell können ebenfalls zu den Untersuchungsmethoden gehören.


Wer ist von dem Erkrankungsrisiko betroffen?

Grundsätzlich kann jede Person, die mit Asbest in Kontakt tritt, an einer Asbestose erkranken. Doch nicht bei jedem einmaligen Kontakt werden tatsächlich Fasern eingeatmet.

Gefährdet sind vor allem Menschen, die sich aufgrund ihres Berufes mit Asbest beschäftigen müssen. Dazu gehören beispielsweise Dachdecker, Ofenmaurer oder Installateure, die zur Altersgruppe ab 50 Jahren gehören. Es handelt sich dabei also um Personen, die im späten 20. Jahrhundert über mehrere Jahre mit Asbest in Kontakt getreten sind.


Achtung: Die Faserjahre!

In der Medizin wird der Begriff der Faserjahre verwendet, um das Risiko eines Betroffenen anzugeben. Als Berufskrankheit gilt die Asbestose nämlich dann, wenn eine Asbestbelastung von 25 Jahren oder mehr am Arbeitsplatz nachgewiesen werden kann. Von einem Faserjahr wird gesprochen, wenn der Betroffene in einem Jahr eine Million Asbestfasern pro Kubikmeter eingeatmet hat.

Hat der Betroffene innerhalb von zwölf Monaten beispielsweise drei Millionen Asbestfasern pro Kubikmeter Atemluft eingeatmet, zählt dies als drei Faserjahre.


 

Auch Heimwerker, die Maßnahmen an älteren Dächern in Eigenregie durchführen, sind dem Risiko ausgesetzt – insbesondere dann, wenn sie nicht über die nötige Schutzkleidung verfügen.

Wie können Asbestfasern in den Körper gelangen?

Bei asbesthaltigen Produkten wird zwischen der schwach und der fest gebundenen Form unterschieden:

  • In fest gebundener Form tritt Asbest unter anderem in Asbestzement auf: Der Baustoff wurde vor allem zwischen den 1960er und 1980er-Jahren für die Bekleidung von Fassaden und Dächern verwendet. In dieser Form ist Asbest vergleichsweise harmlos. Die gefährlichen Fasern werden erst dann freigesetzt, wenn der Zement stark verwittert oder wenn er bearbeitet wird.
  • Bei Asbest in schwach gebundener Form, beispielsweise bei Spritzasbest, ist das Risiko deutlich höher: Aufgrund der schwachen Bindung können die Fasern deutlich einfacher an die Luft abgegeben werden.


Werden die feinen Asbestfasern freigesetzt, spalten sie sich in Längsrichtung auf – sie sind viel dünner als ein menschliches Haar und mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Diese Fasern können leicht eingeatmet werden und in die äußeren Lungenbläschen gelangen. Entweder verbleiben sie dort oder wandern weiter in das Brust- oder Bauchfell, welches an die Lunge angrenzt.

Können auch heute noch Personen an Asbestose erkranken?

Schon in den 1970er-Jahren wurden in Deutschland die ersten Vorschriften für den Umgang mit Asbest festgelegt. 1993 wurde die Substanz schließlich vollständig verboten. Heute darf es weder für den Gebäudebau noch für die Fahrzeug- oder Textilindustrie verwendet werden.

Dennoch bleibt das Risiko einer Erkrankung auch über die kommenden Jahrzehnte bestehen, so Experten. Sie gehen davon aus, dass noch immer eine Gesamtfläche von etwa 1,4 Milliarden Quadratmeter Asbestzement in Deutschlands verbaut ist.

Beim Abriss sowie der Entsorgung dieser asbesthaltigen Materialien können gefährliche Asbestfasern freigesetzt werden. Deshalb sollte bei Umbauarbeiten älterer Gebäude unbedingt ein Fachunternehmen beauftragt werden. Dieses hat das entsprechende Know-how und verfügt über die notwendige Schutzkleidung, um bei den Sanierungsmaßnahmen die Gesundheit der Arbeiter und der Umgebung nicht zu gefährden. Heimwerker sollten von der eigenständigen Durchführung dieser Maßnahmen in jedem Fall absehen, um ihre Gesundheit und die ihres Umfeldes nicht zu gefährden.

 

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© Bild: Rathscheck Schiefer