Asbest: Seine Geschichte und Anwendungsbereiche bis ins 20. Jahrhundert

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Schon in der Antike begeisterte die „Wunderfaser Asbest“ die Menschheit mit ihren nahezu magischen Eigenschaften. So blickt das Mineral auf eine mehrere tausend Jahre zurückreichende Geschichte, in der es in vielfältiger Weise zur Anwendung kam. Insbesondere im 20. Jahrhundert erlebte Asbest seine Blütezeit in den Industrienationen der Welt – gleichzeitig wurde aber seine krebserregende Wirkung festgestellt. Dennoch vergingen bis zum letztlichen Verbot in Deutschland einige Jahrzehnte, in denen große Mengen Asbest verarbeitet und in Industrie sowie Baugewerbe eingesetzt wurden.


Asbest und seine Geschichte: Die Anfänge der Asbestverwendung in der Antike

Im dritten Jahrhundert vor Christus fand Asbest erstmalige Erwähnung in einem Buch über Steine, das vom griechischen Philosoph und Naturforscher Theophrastos stammt. Ein Docht aus Asbest soll außerdem die ewige Flamme der Akropolis befeuert haben. Auch gibt es Quellen, nach denen Tischtücher und Leichentücher aus Asbest hergestellt und dadurch unbrennbar wurden. Allerdings konnten sich zur damaligen Zeit nur reiche Menschen aus Asbest gefertigte Gegenstände leisten. Im Mittelalter geriet die angebliche "Wunderfaser" wieder in Vergessenheit. Vereinzelte Funde von Asbest wurden geradezu mystifiziert, indem das Material für Federn des Phönix oder Schuppen von Drachen gehalten wurde.

Die Blütezeit von Asbest im 20. Jahrhundert

Die Geschichte von Asbest erfährt ihre Hochzeit mit dem Beginn der industriellen Verwendung und dem Abbau der großen kanadischen Vorkommen im Jahr 1877. Noch heute befinden sich in Kanada, Russland sowie in China die größten Asbestvorkommen der Welt. In Deutschland sind hingegen keine Asbestminen bekannt. Der Rohstoff wurde importiert und in Asbestwerken aufbereitet. Das erste Werk dieser Art wurde 1870 in Frankfurt gegründet, 1925 gab es bereits 59 dieser Firmen, im Jahr 1980 gar über 1000.

1900 wurde der Werkstoff Asbestzement patentiert, und der Erfolgskurs dieses Alleskönners war nicht mehr aufzuhalten: Schließlich ließ er sich an Wänden, Dächern und Böden vielfältig einsetzen und unkompliziert verarbeiten. Die Arbeiter waren dabei in dicke Staubwolken gehüllt – völlig unbedenklich, wie damals versichert wurde. Auch im Schiffbau, Fahrzeugbau, in Elektrogeräten oder gar Kleidung wurde die Wunderfaser aufgrund ihrer feuerfesten und säurebeständigen Eigenschaften eingesetzt. Insgesamt waren zu Beginn der 1980er Jahre mehr als 3.000 Produkte auf dem Markt, in denen der Stoff verarbeitet war.

So gestalteten sich Asbestimport und -verbrauch in der Vergangenheit

Da Deutschland nicht über eigene Asbestminen verfügte, musste der gesamte Bedarf aus anderen Ländern importiert werden. So wurden zwischen 1950 und 1990 rund 4,35 Millionen Tonnen Asbest nach Westdeutschland (alte Bundesländer) eingeführt. Bis ins Jahr 1965, in dem der Verbrauch mit über 170.000 Tonnen im Jahr sein Maximum erreichte, konnte der gesamte Asbestverbrauch in den alten Bundesländern einen unaufhörlichen Anstieg verzeichnen. Da das Wissen um die Gesundheitsgefahr immer weitere Kreise zog und versucht wurde, Asbest nach und nach zu ersetzen, sank der Verbrauch mit dem Verbot von Spritzasbest 1979 in den 1980er Jahren kontinuierlich ab. Im Jahr der Wiedervereinigung 1989 betrug er nur noch 50.000 Tonnen pro Jahr. Vier Jahre später kam es schließlich zum Herstellungs- und Verwendungsverbot, mit dem der Import und Verbrauch schließlich auf Null zurückgingen.

Die DDR importierte bis 1989 rund 1,4 Millionen Tonnen Asbest, hauptsächlich aus Russland. Das ergab bei circa 17 Millionen Einwohnern der DDR einen Pro-Kopf-Verbrauch von 2,8 Kilogramm, während in der BRD umgerechnet pro Kopf weniger als ein Kilogramm verbraucht wurde. Mit rund 7.800 Tonnen jährlich begann die Einfuhr im Jahr 1960 und stieg in ihren Hochzeiten bis 1980 auf 74.000 Tonnen jährlich. Anders als in der BRD wurden in der DDR allerdings keine asbesthaltigen Bodenbeläge eingesetzt, und ein Verbot von Spritzasbest wurde bereits 1969 ausgesprochen.

Insbesondere für die Herstellung Asbestzementplatten wurde die gefährliche Faser in der DDR sowie der BRD eingesetzt. 1979 machten sie 59 Prozent der gesamten Asbestverwendung innerhalb der DDR aus.
 

Das Ende der Geschichte von Asbest?

Aktiver Lobbyarbeit ist es zu verdanken, dass es bis zum endgültigen Verbot von Asbest im Jahr 1993 ein langer Weg war. Denn bereits zu Beginn des 20. Jahrhundert war die gesundheitsschädliche Wirkung von Asbest und die damit einhergehende Erkrankung Asbestose bekannt. Im Jahr 1943 wurde Asbestose sogar als Berufskrankheit anerkannt, seit 1970 gelten Asbestfasern als krebserregend. Im Jahr 1979 kam es schließlich zum Verbot von Spritzasbest – denn bei Produkten dieser Art kann es schon durch leichte Erschütterung zur Freisetzung der Fasern kommen. 1993 wurde schließlich das deutschlandweite Herstellungs- und Verbreitungsverbot von Asbest ausgesprochen. Rund 10 Jahre später, im Jahr 2005, kam es schließlich zu einem EU-weiten Verbot. 

Dennoch gibt es weltweit etliche Länder, in denen weiterhin Asbest abgebaut und verarbeitet wird. Dazu gehören unter anderem Russland, China oder Thailand. So sterben jährlich noch immer schätzungsweise 100.000 Menschen an den Spätfolgen, und auch in Deutschland kommt es jedes Jahr zu neuen Todesfällen. Denn Asbestose hat eine lange Latenzzeit von bis zu 30 Jahren, sodass Menschen, die Anfang der 1990er Jahre mit asbesthaltigen Produkten gearbeitet haben, nun mit den Folgen der Exposition kämpfen müssen.

Inwiefern sind Privatpersonen von Asbest betroffen?

Mit einem Blick auf die Geschichte von Asbest wird deutlich, dass in nahezu jedem Gebäude bis zum Verbot Anfang der 1990er Jahre asbesthaltige Produkte verbaut wurden. Da das Verbot aber nur die Herstellung und Verbreitung von Asbest betrifft, nicht aber bereits verbaute Produkte, schlummern laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt noch immer schätzungsweise 1,4 Milliarden Quadratmeter der potenziell gefährlichen Baustoffe auf Dächern, Fassaden und anderen Gebäudeteilen. Besitzen Sie ein Haus, das vor dem Verbot erbaut wurde und seitdem keiner umfassenden Sanierung unterzogen wurde, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich darin asbesthaltige Werkstoffe befinden.

Das allein ist zunächst kein Grund zur Panik, denn Asbest liegt in alten Gebäuden hauptsächlich in seiner festgebundenen Form vor, etwa in Form von Dachplatten aus Asbestzement. Sind diese Produkte unbeschädigt, geht von ihnen keine unmittelbare Gefahr aus. Erst durch mechanische Einwirkungen wie Bohren oder Hämmern sowie Verwitterung kann es zu Freisetzung der Fasern kommen. Es ist daher abzuraten, an alten Gebäuden selbst handwerkliche Arbeiten auszuführen, denn so kann es unbewusst zu Beschädigungen an asbesthaltigen Bauteilen kommen.

Wenden Sie sich daher an einen Sachverständigen, der Ihr Haus eingehend untersucht und Ihnen zu den nächsten Schritten nützliche Hinweise geben kann. Auf lange Sicht ist es allerdings sinnvoll, die asbestbelasteten Baustoffe zu entfernen und durch unbedenkliche Materialien zu ersetzen. So sorgen Sie nicht nur langfristig für die Gesundheit der Hausbewohner, sondern auch für den Werterhalt Ihres Hauses.

 

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© Bild: Rathscheck Schiefer